Infektionskrankheiten stellen in Pferdekliniken eine besondere Herausforderung dar, insbesondere im Kontext stationärer Aufnahme. Aufgrund der hohen Tierdichte, des kontinuierlichen Patientenwechsels sowie des engen Kontakts zwischen Tieren, Personal und Patientenbesitzern besteht ein erhöhtes Risiko für die Ausbreitung infektiöser Erkrankungen. Diese können sowohl durch direkten Kontakt zwischen den Pferden als auch über indirekte Übertragungswege, wie kontaminierte Kleidung oder Gegenstände, verbreitet werden.
In der Pferdeklinik Tappendorf besitzt das Tierwohl oberste Priorität, so dass tiergerechte Unterbringung einen zentralen Bestandteil des Behandlungskonzepts darstellt. Ein wesentliches Element hierbei ist ein angemessenes Platzangebot, welches häufig in Form von Paddockboxen realisiert wird. Diese ermöglichen den Pferden nicht nur eine vergrößerte Bewegungsfläche, sondern fördern zugleich den sozialen Kontakt zu Artgenossen.
Vor der stationären Aufnahme erfolgt eine Einteilung der Patienten in verschiedene Risikoklassen. Die Klassifikation basiert auf dem vom Patienten ausgehenden Infektionsrisiko und dient als Grundlage für die Unterbringung innerhalb der Klinik.
Der sachgerechte Umgang mit potentiell infektiösen Patienten erfordert ein strukturiertes und konsequent umgesetztes Hygienemanagement, das bereits vor dem Eintreffen des Tieres beginnt.
Pferde mit Fieber unklarer Genese, Durchfall oder mit bereits diagnostizierter Infektionskrankheit wie Herpes oder Influenza werden als Risikopatient klassifiziert.
Bevor das Pferd stationär aufgenommen wird, erfolgt die initiale Diagnostik bereits auf dem Transportmittel durch die Entnahme eines Nasentupfers und die Durchführung eines PCR-Schnelltests vor Ort, wodurch eine zeitnahe Identifikation relevanter Erreger ermöglicht wird.
In der Klinik haben wir die Möglichkeit innerhalb von 20 Minuten Equines Influenza-Virus, Equines Herpesvirus 1 und -4, sowie Streptococcus equi, sprich den Druse-Erreger, mittels Nasentupfer nachzuweisen. Ebenso können wir Anaplasmose aus Blutproben nachweisen.
Auch haben wir die Möglichkeit externe Tupfer bzw. Blutproben mittels PCR zu analysieren. Dies geschieht nach vorheriger Ankündigung des Probenmaterials.
Im Anschluss an die Erstdiagnostik erfolgt die Unterbringung der betroffenen Tiere in einem separaten Isolationsstalltrakt. Weiterführende diagnostische Maßnahmen werden, sofern erforderlich, innerhalb des Isolationstraktes im angrenzenden Untersuchungsraum durchgeführt.
Für diagnostische und therapeutische Maßnahmen stehen neben separaten Räumlichkeiten auch separate Geräte wie Ultraschall-Geräte und Endoskope zur Verfügung, um Kontamination zu vermeiden und die Einhaltung der hygienischen Standards zu gewährleisten.
Ein wesentliches Element des Hygienekonzepts ist die Einrichtung von Hygieneschleusen vor jeder Isolationsbox. Diese dient als konsequente Barrieremaßnahme für zutrittsbefugte Personen. Die persönliche Schutzausrüstung besteht aus einem Mundschutz, 2 Paar Handschuhen, einem Ganzkörper-Overall, einem Spritzschutz-Kittel, sowie Schuhüberzieher bzw. der Box zugehörigen Gummistiefel.
Darüber hinaus verfügt jede Isolationsbox über ein Unterdrucklüftungssystem, welches eine gerichtete Luftströmung gewährleistet und somit die aerogene Verbreitung von Pathogenen unterbindet. Insbesondere bei durch Tröpfchen übertragbaren Erkrankungen, wie beispielsweise Infektionen mit Equinem Herpesvirus, stellt dieses System eine effektive Präventionsmaßnahme dar.
Durch ein eingebautes Fenster können die isolierten Patienten jedoch visuell, als auch akustisch mit ihre Artgenossen in Kontakt treten.
Die Isolationsboxen sind vollständig ausgestattet und videoüberwacht, wodurch eine kontinuierliche Versorgung der Tiere bei gleichzeitig reduzierter Personenkontaktfrequenz sichergestellt wird.
Die Versorgung der isolierten Patienten erfolgt strikt getrennt vom regulären Klinikbetrieb. Dies umfasst sowohl die Fütterung als auch die Entmistung, die ausschließlich innerhalb des Isolationsbereiches durchgeführt wird.
Auch für Notfallsituationen sind entsprechende Maßnahmen implementiert. Im Falle eines festliegenden Pferdes kann durch den Einsatz spezieller Hebevorrichtungen eine Aufrichtung und Stabilisierung des Tieres erfolgen. In diesem Geschirr ist es dem Pferd dennoch möglich sich frei durch die Box zu bewegen.
Ziel der stationären Versorgung ist es, eine optimale medizinische Betreuung unter Einhaltung höchster Hygienestandards sicherzustellen und gleichzeitig die Sicherheit von Patienten, Personal und Patientenbesitzern zu gewährleisten. Dabei wird stets der Ausgleich zwischen notwendigen Hygienemaßnahmen und den Anforderungen an eine tiergerechte Haltung gewährleistet.
Zusammenfassend zeigt sich, dass ein effektives Hygienemanagement auf einer Kombination aus frühzeitiger Diagnostik, räumlicher Trennung, konsequenter Nutzung persönlicher Schutzausrüstung sowie technischer Maßnahmen basiert.
Ergänzend ist die Mitwirkung der Tierhalter, insbesondere durch vorherige Anmeldung und Einhaltung der Hygieneregeln, von entscheidender Bedeutung für die erfolgreiche Infektionskontrolle.