Kolik beim erwachsenen Pferd
Die meisten Pferdebesitzer und Reiter haben schon einmal ein Pferd mit Kolik erlebt. Es wird in der Regel zügig der Tierarzt gerufen, um den Patienten behandeln zu lassen. Kolik ist für den Tierarzt keine Krankheit, sondern eine Schmerzäußerung und somit eine Aufforderung, die Schmerzursache zu finden. In den meisten Fällen hat das Pferd "Bauchschmerzen", der Schmerzprozess befindet sich im Verdauungstrakt. Aber auch Kreuzverschlag, Schlundverstopfung, Infektionskrankheiten oder starke Blutverluste können zu Koliksymptomen führen. Kolik (Schmerz) ist somit nicht gleich Kolik (Bauchschmerz).
Diagnosefindung
Wichtigster Hinweis für den Tierarzt ist die Beschreibung der Koliksymptome des Pferdes. Wann haben die Schmerzen begonnen? Wie äussern sich die Schmerzen? Viele Robustpferde zeigen den Schmerz nicht richtig. Sie sondern sich lediglich von der Herde ab, zeigen keinen Appetit und haben eine erhöhte Atem- und Herzfrequenz. Warmblüter hingegen aussern deutlichere Koliksymptome (Unruhe, Schwitzen, Scharren, Hinlegen oder Wälzen).
Hat das Pferd Appetit oder wann hat es das letzte Mal was gefressen? Hat es Kotabsatz? Aber auch Änderungen in der Haltung und Fütterung, sowie Medikamentengaben sollten dem Tierarzt berichtet werden.
Nach der klinischen Untersuchung kann der Tierarzt häufig den Grund der Koliksymptome benennen und er wird die Behandlung einleiten. Wie aber schon beschrieben sind die Ursachen für Koliksymptome so vielfältig, dass im Stall nicht immer eine definitive Diagnose gestellt werden kann. Es sind dann weiterführende diagnostische Massnahmen (Blutuntersuchungen, Ultraschall) nötig.
Die Kolikursache liegt im Verdauungstrakt
Stellt der Magen-Darmtrakt die Ursache für den Kolikschmerz dar, sollte zwischen Erkrankungen des Magens und Dünndarms, sowie Erkrankungen des Dickdarms einschließlich Blinddarms unterschieden werden.
Magengeschwüre treten beim Pferd häufig auf und können eine Ursache für Kolikschmerz darstellen.
Dünndarmerkrankungen gehen in der Regel mit hochgradigen Koliksymptomen und stark beeinträchtigtem Kreislauf einher. Hat der Tierarzt bei der Untersuchung im Stall den Verdacht einer Dünndarmkolik, wird er das Pferd mit starken Schmerzmedikamenten versorgen, eine Nasenschlundsonde zur Entleerung des Magens schieben und den Patienten in die nächstgelegene Pferdeklinik überweisen. Dünndarmerkrankungen sind in der Regel nur durch eine Operation zu behandeln. Hier spielt die Zeit eine entscheidene Rolle, denn der Dünndarm ist sehr empfindlich. Je schneller das Pferd in einer Klinik vorgestellt wird, desto weniger wird der Dünndarm geschädigt und desto besser ist die Prognose.
Dickdarmerkrankungen gehen häufig mit einer Verlagerung und Aufgasung von Dickdarmanteilen oder mit einer Verstopfung durch Futter oder Sand einher. Häufig zeigen diese Patienten mildere Koliksymptome und einen guten Kreislaufzustand. Die Behandlung erfolgt in der Regel im Stall mit entkrampfenden und milden schmerzstillenden Medikamenten. Sollte diese Therapie nicht greifen, werden auch diese Pferde zur weiteren Diagnostik und Behandlung häufig in eine Pferdeklinik überwiesen. Denn fehlende Darmmotorik führt zu weiterer Aufgasung und Verlagerung des betroffenen Dickdarmabschnittes. Mit motorikfördernden Medikamenten und Infusionen kann eine Rückverlagerung des Dickdarmes und der Gasabgang initiiert werden. Sollte auch diese Therapie nicht greifen oder der Patient starke Kolikschmerzen zeigt, muss auch ein Pferd mit Dickdarmkolik schnellstmöglich operiert werden.
Grundlegende Gedanken
Hat das eigene Pferd Kolik, ist jeder Besitzer sehr besorgt. Oft fällt es in dieser angespannten Situation schwer, klare Gedanken zu fassen. Umso wichtiger ist es in ruhiger Minute zu entscheiden, was im Falle einer schweren Kolik mit dem Pferd geschehen soll. Möchte ich mein Pferd an Kolik operieren lassen oder einschläfern lassen? Wie finanziere ich diese Operation? Eine OP-Kostenversicherung könnte diesen Aspekt in den Hintergrund treten lassen. Die Entscheidung über eine Operation kann einem niemand abnehmen und wie auch immer es ausfällt, sie ist zu respektieren. Im Vordergrund sollte der Patient stehen, der nicht unnötig lange den Schmerzen ausgesetzt werden sollte, nur weil sich der Besitzer zu keiner Entscheidung durchringen kann ...
© by Dr. Claudia Stroth, Pferdeklinik Dr. Belz, Tappendorf
