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Meine Stute bekommt ein Fohlen

Viele Reiter erfüllen sich den Traum eines Fohlens aus der eigenen Stute. Eine Faustregel besagt, dass elf Monate und elf Tage nach der Bedeckung der Stichtag der Fohlengeburt liegt. Doch für dieses Erlebnis müssen entsprechende Vorbereitungen getroffen werden!

 

Shetty-Fohlen

In den letzten 8 Wochen vor der Geburt nimmt das Fohlen stark an Körpergröße zu. Die Stute benötigt dafür entsprechende Nährstoffe, sie sollte somit ausreichend versorgt werden. Auch passt sich das Immunsystem der Stute der Umgebung an. Die in der ersten Milch enthaltenen Abwehrstoffe wirken somit spezifisch in diesem Keimmilieu. Möchte man die Stute zum Abfohlen in einen anderen Betrieb bringen, sollte dies also 6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin erfolgen. So erhält das Fohlen zur Geburt entsprechende Antikörper mit der ersten Milch (Kolostralmilch, Biestmilch).

    

Die Geburt ereignet sich in der Regel nachts, wenn die Stute sich ungestört fühlt. Eine Überwachung der Stute um den Geburtstermin, sowie die Anwesenheit erfahrener Pferdezüchter ist immer hilfreich. Die Fohlengeburt selber geht sehr schnell vonstatten, in etwa 20 Minuten sollte das Fohlen zur Welt gekommen sein. In der Regel benötigen die Stuten keinerlei Hilfe, sie fühlen sich oftmals durch die Aufregung der Menschen gestört. Geht die Geburt nur schleppend voran, ist sofortige, versierte Hilfe gefordert. Geburtshilfe erfordert viel Erfahrung, darum sollte ein erfahrener Pferdezüchter vor Ort sein. Bei Unsicherheiten sollte sofort der Haustierarzt verständigt werden.

Ist das Fohlen zur Welt gekommen, entwickelt es nach ca. 20 Minuten den Saugreflex, nach einer Stunde sollte es stehfähig sein und nach zwei Stunden sollte es bereits die erste Biestmilch vom Euter getrunken haben. Danach geht ein gesundes Fohlen etwa alle 30 Minuten selbstständig an das Euter. Der erste Kot (Darmpech) geht nach dem ersten Saugakt, spätestens aber drei Stunden nach der Geburt ab. Ist dies nicht der Fall, besteht Darmpechverhalten und es treten Koliksymptome auf. Die Anwendung eines Klistiers (Einlauf) kann diesem Fall vorbeugen. Bei der Stute geht unter Umständen mit Nachwehen verbunden, spätestens zwei Stunden nach der Fohlengeburt die Nachgeburt ab. Sollte dies nicht der Fall sein, muss der Haustierarzt verständigt werden. Nachgeburtsverhaltung kann die gefürchtete Geburtsrehe auslösen.

    

12-24 Stunden nach der Geburt ist eine Routineuntersuchung von Stute und Fohlen angeraten. Unter anderem gehört die Untersuchung des Nabels, welcher als Eintrittspforte für Keime gilt, zum Untersuchungsgang. Nabelinfektionen können zu schweren Allgemeinerkrankungen führen. Mithilfe einer Blutuntersuchung des Fohlens kann der Immunstatus abgefragt werden. Denn bei mangelhaftem Antikörpertransfer über die Biestmilch drohen dem Fohlen lebensgefährliche Infektionen und Fohlenlähme.

Waisenfohlen mit Ersatz-Mama

Durch eine Infusion von Plasma oder Vollblut können die fehlenden Abwehrstoffe zugeführt werden. Ist das Fohlen lebensschwach oder wird es von der Mutter nicht an das Euter gelassen, ist sofortiges Handeln nötig! Neugeborene verfügen über keinerlei Energiereserven, sie können ihre Körpertemperatur und die nötigen Stoffwechselvorgänge nicht erhalten. Eine frühzeitige Konsultation des Haustierarztes und unter Umständen einer Einlieferung in eine Klinik können lebensrettend sein. Die Intensivmedizinische Betreuung von Neugeborenen ist sehr anspruchsvoll und aufwendig. Prophylaktische Maßnahmen und Untersuchungen können aber einen sicheren Start in das neue Leben ermöglichen.

 

 

 

© by  Dr. Claudia Stroth, Pferdeklinik Dr. Belz, Tappendorf